Stagnation und Geschäftigkeit

Auf dieser Seite schildern wir Reiseeindrücke vom BAK Kriwoi Rog und von Dolinskaja von Ende August 2008.

 

 
       
   

 Dolinskaja liegt im Schatten von Georgien

 
       
       
   

Rolf Junghanns

Gab es vor einem Jahr zur Perspektive der Jahrhundert-Investruine BAK Kriwoi Rog noch eine Sensation zu vermelden, die dann aber wie eine Seifenblase platzte (siehe hierzu Herbst der Hoffnung 2007), so dämmert das Kombinat in diesem Sommer nur träg vor sich hin. Wer jetzt noch Hoffnung auf Fortschritte hat, muss Berufsoptimist oder Ignorant sein. Spricht man von Hürden auf dem Weg des BAK Kriwoi Rog in die Zukunft, so ist das recht verharmlosend formuliert. Eine Hürde kann man überspringen, die Widerstände und Hemmnisse, die das BAK ausbremsen, erscheinen aber wie ein zäher, immer wieder nachwachsender Wall, von dem man nicht weiß, ob man ihn jemals überwindet.

Da sind zum einen die immer wieder mühsam neugezimmerten Regierungskoalitionen, die eigentlich die Ukraine und damit auch das Kombinat voranbringen sollten, sich aber vor allem immer wieder in internen Auseinandersetzungen über den weiteren Kurs, ja in Schlachten einer gegen den anderen verfangen und mit ihrer Politik die Einwohner des Landes immer mehr polarisieren, das Land zerreißen - pro und kontra Russland, pro und kontra Europa, pro und kontra NATO. Im propagandistischen Kampfgetöse bleiben die eigentlichen Probleme der Ukraine außen vor und so auch die Perspektive, dass das Land aus dem Kombinat in Doliskaja Gewinn ziehen könnte.

Nach der Torpedierung der Joint-Venture-Zukunft im September 2007 stellte die Regierung als neue "Offenbarung" in den Vordergrund, dass man, bevor man überhaupt über das Schicksal des Kombinats entscheiden könnte, sich mit den beteiligten Partnern Rumänien und Slowakei über den Wert der von ihnen eingebrachten Leistung und über die Abfindung dafür einigen müsse. Um zu dieser Weisheit zu gelangen, hatte es nach dem endgültigen Baustopp im Jahre 1997 eines Erkenntnisprozesses von 10 Jahren bedurft! Wievieler Jahre wird es im Weiteren noch brauchen, um diese Frage auch zur Klärung zu bringen? Ein Jahr ist nun schon vergangen, ohne dass die Verhandlungen zwischen den Beauftragten der Regierungen der Ukraine und Rumäniens ein Ergebnis erbracht hätten, obschon die rumänische Regierung nicht mehr auf der vollen Entgeltung ihrer Leistungen besteht.

Die ohnehin geringe Produktivkraft des Kombinats (im wesentlichen Medienversorgung für das Territorium, Forschungsarbeiten in der Kontinuierlichen Anlage, Produktion in den Zentralen Reparaturwerkstätten sowie die ständig neue Ausarbeitung möglicher Kombinatsperspektiven und Suche nach Überlebensstrategien) zerbröckelt dabei immer weiter. Nachdem im Ort Dolinskaja dezentrale Anlagen zur Wärmeversorgung installiert worden sind, hat das Heizwerk des Kombinats seine bisherige Bedeutung verloren und wurde stillgelegt. Zur Überlebenssicherung werden immer wieder ungenutzte Ausrüstungen und Konstruktionen verscherbelt. Träger jahrzehntelanger Erfahrungen haben das Kombinat verlassen auf dem Weg in perspektivreichere Betriebe oder in den Ruhestand, andere wurden abserviert oder sind gestorben. Abstriche gibt es auch immer wieder beim sozialen Engagement des Kombinats im Ort. So wurde vor Kurzem der Finanzfluss für das Kulturhaus "Tscherwona Kalyna" gedrosselt.

Trotz des vor einigen Monaten verkündeten Ausstiegs der rumänischen Baubetriebe aus dem schwebenden Weiterbau des Kombinats wird in Dolinskaja immer noch eine Wach- und Wartungsmannschaft gehalten. Auch die Slowaken haben ein kleines Team vor Ort. Weggehen hieße wohl Preisgabe der Hoffnung auf Erstattung der einst eingebrachten Leistungen.

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Zur Fortsetzung: Das Leben in Dolinskaja 2008 hier klicken

     

Links: Feinzerkleinerungsanlage und Reparaturstützpunkt für Kegelbrecher von der Südseite - mit dem hochgewachsenem Wildwuchs sieht die Investruine fast beschaulich aus.

 

 

 

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Links: Die Zentrale Vorbereitungsküche im Sommer 2008 - das was noch von ihr übrig ist.

Fotos auf dieser Seite: R. Junghanns / August 2008

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