Das BAK Kriwoi Rog - Februar 2007

 
       
   

 ... am BAK wieder einmal Wechselbad der Gefühle

 
       
       
Rolf Junghanns

Anfang Februar kommen aus dem Kombinat optimistische Nachrichten: „Es gibt sehr viele Neuigkeiten. Im Dezember haben die russische 'Metalloinvest' und die ukrainische 'Smart-Group' die 'Ukrainische Erz- und Metallurgiegesellschaft' gegründet. Sie soll mit 50% Anteilen minus 1 Aktie als Investor am Joint-Venture als Investor für das BAK auftreten. Bei uns läuft jetzt die Arbeit auf Hochtouren. Bald geht alles los!“
Die Gründung dieser Gesellschaft ist aber nur einer der notwendigen Schritt zur Realisierung der vom Jechanurow-Kabinett im vergangenen Sommer angedachten Geschäftskonstruktion. Einer der weiteren Folgeschritte müsste sein, dass die gegenwärtige ukrainische Regierung dieser neuen Gesellschaft die 50% minus 1 Aktie auch verkauft.

Eine knappe Woche später setzt eine neue Nachricht dem Optimismus ein jähes Ende: „Unerwartete Wendung im Schicksal des Kombinats. Das BAK hat seine Zukunft verloren", so stand es am 7. Februar in der „Domashnaja Gaseta“. Trotz der Ende Januar abgehaltenen Tagung des Erweiterten Technischen Rates zur Realisierung des von „Metalloinvest“ und „Smart-Group“ vorgelegten Projekts der Fertigstellung des Kombinats, das zunächst die Inbetriebnahme des Pelletierungskomplexes vorsieht, hat das Ministerkabinett die Vorbereitung der notwendigen Dokumente eingefroren.“
Aus Dolinskaja ist auch von der Angst vor der Entlassung der 1000 Kombinatsbeschäftigten zu hören – wo sollen sie hin, wenn der einzige größere Betrieb im Rayon geschlossen wird?

Auf der neueingerichteten WEB-Seite des Kombinats, die bis jetzt vor allem nur Links auf Presseartikel über das BAK enthält, lässt sich ein Artikel vom selben 7. Februar finden, der einfach nur davon berichtet, dass derzeit 3 Bewertungsgruppen und ein kanadisches Consulting-Unternehmen an der Ermittlung des Anlagevermögens des Kombinats arbeiten, die bis April abgeschlossen werden soll. Der Abschluss der Bewertung ist die Voraussetzung für die Klärung der noch immer offenen Frage der Kompensation der Leistungen der am Vorhaben beteiligten Länder Rumänien und Slowakei.
Neben dieser etwas anders, weniger dramatisch dargestellten Sachlage sind auf dieser WEB-Seite aber auch Befürchtungen zu lesen, dass eine Wiedererweckung des Kombinats nicht so bald stattfinden oder überhaupt ausfallen könnte. Zu viele Kräfte dürften wohl im Hintergrund agieren, so heißt es dort, um das Schicksal des Kombinats im eigenen Interesse zu entscheiden. Gegen „Metalloinvest“ und „Smart-Group“ als den vom Jechanurow-Kabinett gekürten Kaufanwärtern arbeiteten derzeit ganz offensichtlich andere metallurgische Konzerne, die die Regierungsentscheidung kippen wollen, um selbst das BAK übernehmen zu können. Hervorgehoben wird dabei der Mittal-Arcelor-Konzern (im Jahr 2006 aus der Verschmelzung von Mittal Steel und Arcelor hervorgegangen), der ein ganz besonderes Interesse am BAK hat: Mittal Steel hat im Oktober 2005 das Metallurgische Kombinat „Kryworishstal“ in Kriwoi Rog gekauft. Zu diesem Kombinat gehört auch einer der Tagebaue, aus dem das BAK sein Erz beziehen soll. Bisher muss Mittal-Arcelor mit dem BAK teilen. Die obersten drei Horizonte mit oxidischen Erzen werden abgetragen und auf Halde deponiert – für den potentiellen künftigen Konkurrenten. Nur die tiefer liegenden Erze stehen Mittal-Arcelor zu. Bekäme man aber das BAK Kriwoi Rog in die eigenen Hände, hätte das Teilen ein Ende und man könnte die eigene Rohstoffbasis wesentlich ausbauen.
Eine entgegengesetzte Zielrichtung verfolgten, so heißt es weiter, die Konkurrenten aus der Eisenerzbranche – die Betreiber der anderen Erzgruben und Aufbereitungskombinate, die in der Inbetriebnahme des BAK Kriwoi Rog eine Gefahr für den eigenen Absatz sehen. Sie, so wird vermutet, versuchen den Weiterbau des BAK Kriwoi Rog zu torpedieren. Dabei lassen sie sich wohl auch nicht umstimmen von BAK-Generaldirektor Nikolai Kolesnik, der argumentiert, dass der Eisenerz-Bedarf der Ukraine die im Lande vorhandenen Liefermöglichkeiten wesentlich übersteige.
Gegen den Joint-Venture-Plan Jechanurows, dessen Ziel es war, die Entscheidungsgewalt über die Rohstoffressourcen beim Staat zu belassen, hat sich öffentlich Valentina Semenjuk, die Präsidentin des Fonds für Staatseigentum (der ukrainischen „Treuhand“) ausgesprochen. Sie verlangt eine öffentliche Ausschreibung und eine transparente Vergabe des BAK Kriwoi Rog – tritt sie nur für „Gerechtigkeit“ ein?

So sind die kommenden Wochen eine Zeit angespannter Erwartung des Frühlings: Wer gewinnt bis dahin die Oberhand? Tritt dann die langersehnte positive Wende im Schicksal des Jahrhundertbaus ein? Oder wird die seit einem Jahrzehnt dauernde bleierne Zeit der ausgefallenen und nichtrealisierten Entscheidungen ins Unbestimmte ausgedehnt?

* * *

Nachtrag Anfang Juni 2007:

Die Bewertung des Eigentums des Kombinats ist zwar abgeschlossen, aber die Weichen für weitere Schicksal des Kombinats sind immer noch nicht gestellt worden. Ganz offensichtlich ist das BAK angesichts der Krisenlage in der Ukraine aus dem Blickpunkt der Regierung gerückt.

 

Zurück zur Übersichtsseite "Das BAK Kriwoi Rog heute"

 

zur HeimatseiteZur Startseite nach oben Zum Seitenanfang